Ulm Stadtgeschichte

Ulm um 1490
Ulm um 1490

Auf einer Urkunde die König Ludwig der Deutsche am 22.Juli 854 ausstellte, wird die königliche Pfalz zu Ulm als „hulmam palatio regio“ zum ersten Mal schriftlich erwähnt. 1184 wurde Ulm eine freie Reichsstadt.

Kupferstich von 1643 Matthäus Merian d. Ä.
Kupferstich von 1643 Matthäus Merian d. Ä.

Ihren wirtschaftlichen wie kulturellen Höhepunkt erreichte die Stadtentwicklung um 1500: Ulm besaß das nach Nürnberg zweitgrößte reichsstädtische Territorium auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Drei Städte (Geislingen, Albeck und Leipheim) sowie 55 Dörfer gehörten zum Gebiet. Die Stadt war wichtiger Umschlagplatz für Eisen, Textilwaren, Salz, Holz und Wein. Gleichzeitig entwickelte sich Ulm seit Mitte des 15. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Kunstzentren Süddeutschlands.

Ulm um 1840 von Süden
Ulm um 1840 von Süden

Spruch aus dem 15. Jahrhundert

„Ulmer Geld regiert die Welt.“

Venediger Macht,
Augsburger Pracht,
Nürnberger Witz,
Strassburger Geschütz,
Ulmer Geld, regiert die Welt.

Ulmer Münz.  Ulm war königliche Münzstätte
Ulmer Münz. Ulm war königliche Münzstätte

Mit dem Ulmer Geld im Vers ist neben dem in Ulm geprägten und von Ulmer Handelsleuten und Bankiers reichlich verwendeten Münzgeld auch das gemeint, was den eigentlichen Reichtum Ulms ausmachte – das Barchent, ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen. Das nach strengster Prüfung mit dem Ulmer Siegel versehene Barchent bürgte für eine so außergewöhnlich hohe Qualität, dass es, da in ganz Europa begehrt, so gut wie Geld war.

Ulmer Guldenklippe 1704

MONETA ARGENT REIP ULMENSIS = Silbergeld der Reichsstadt Ulm. In der Mitte das Ulmer Stadtwappen. (Bild: Nachprägung)
MONETA ARGENT REIP ULMENSIS = Silbergeld der Reichsstadt Ulm. In der Mitte das Ulmer Stadtwappen. (Bild: Nachprägung)

Im Spanischen Erbfolgekrieg besetzten unter anderem auch französische Truppen die Stadt. Der Oberbefehlshaber der Franzosen Marquis de Blainville stellte den Ulmern am 10. April 1704 ein Ultimatum: Ulm soll eine Kontributionszahlung von 265.106 Gulden leisten. (Kontributionszahlung ist eine der Bevölkerung eines im Krieg besetzten Gebietes auferlegte außerordentliche Geldleistung.)

DA PACEM NOBIS DOMINE 1704  = Gib uns Frieden, Herr - 1704 In der Mitte befindet sich der Reichsadler.
DA PACEM NOBIS DOMINE 1704 = Gib uns Frieden, Herr - 1704 In der Mitte befindet sich der Reichsadler.

Nachdem die Stadträte den Franzosen mitteilten, dass man diese Summe nicht aufbringen könne, erhöhten die Franzosen die Summe auf 415.000 Gulden und drohten bei Nichtzahlung der Forderung mit schwerwiegenden Konsequenzen. Daraufhin wurde bei der Ulmer Bevölkerung Schmuck und Silbergeschirr gesammelt und eingeschmolzen . Aus dem Rohmaterial goss man viereckige Silberplättchen (Klippen) auf denen die sogenannte Guldenklippe geprägt wurde.

General Mack kapituliert am 20.Okt. 1805  vor den Toren Ulms. Gemälde von Charles Thévenin
General Mack kapituliert am 20.Okt. 1805 vor den Toren Ulms. Gemälde von Charles Thévenin

Bei der Schlacht von Elchingen, nahe Ulm besiegten Napoleons Truppen am 14. Oktober 1805 unter dem Kommando von Marschall Ney ein österreichisches Heer, was die Niederlage der österreichischen Armee einleitete. Tags darauf begann die Belagerung Ulms, wo Karl Mack von Leiberich schließlich kapitulieren musste.

Marschall Ney bekam 1806 von Napoleon den neugeschaffenen Titel Duc d’Elchingen verliehen. Der Ortsname Elchingen ist aufgrund dessen auf der Innenseite des Arc de Triomphe (Triumphbogen) in Paris zu finden.

1810 Ulm wird württembergisch.

Von dieser Kontributionszahlung hat sich die Reichsstadt Ulm nie wieder erholt . Im Jahre 1770 kam es sogar zum Bankrott. 1802 wurde Ulm zum Herzogtum Bayern dazugeschlagen, aber als man erkannt hatte, dass die Stadt nur ein großer Schuldenberg war, wurde sie im Rahmen eines Gebietsaustausches 1810 an das Königreich Württemberg abgegeben.
Auf dem Gebiet , das rechts der Donau bei Bayern bleib, entwickelte sich die heutige Stadt Neu-Ulm.

 

1810 Ulm wird Württembergisch. Soldat überstreicht die bayrischen Rauten am Wachhaus.

Reichenauer Hof, Ehingerhof,  Gouvernement

Ulm, Donaubrücke mit Gouvernement 1908
Ulm, Donaubrücke mit Gouvernement 1908

Ursprünglich gab es hier bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts die Ulmer Niederlassung des Klosters Reichenau. Auf den ehemaligen Pfleghof des Klosters Reichenau ist die heute gängige Bezeichnung „Reichenauer Hof“ zurückzuführen. Das Kloster trieb von diesem Ort an der Donaufurt und späteren -brücke aus im Hochmittelalter Handel und Politik.

Erst danach wurde er ein Patriziersitz und von den neuen Eigentümern immer wieder umgebaut.

 

Das auch als Ehinger Hof bezeichnete Gebäude (heutige Anschrift: Grüner Hof 2) geht auf ein um 1370 erbautes Patrizierhaus nahe der Herdbrücke über die Donau zurück, das der damalige Ulmer Bürgermeister Ludwig Krafft erbauen ließ, der in erster Ehe mit Elisabeth Ehinger († 1389) verheiratet war. Die Überreste dieses spätmittelalterlichen Baus (Meistersinger- bzw. Minnesängersaal) stellen die ältesten Teile des heutigen Gebäudes dar.

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Minnesängersaal Ulm, Reichenauer Hof
Im Ostflügel des Reichenauer Hofes befindet sich der sogenannte „Minnesängersaal“ (früher auch „Meistersingersaal“). Seine Fresken entstanden um 1370/80 und gelten als die älteste erhaltene gotische Wandmalerei Ulms.

Zu den späteren Besitzern zählte der Ratsherr Ulrich Ehinger (seit 1537). Er prägte in der aufkommenden deutschen Frührenaissance die heutige architektonische Gestalt. Dabei integrierte er den schon vorhandenen Minnesängersaal in den Renaissancebau, der noch heute überwiegend erhalten ist. Auf diese Zeit geht auch die Alternativbezeichnung „Ehinger Hof“ zurück.

Der Ostflügel aus dem 14. Jahrhundert wurde um 1535 durch Anbauten ergänzt. Die Proportionen seiner Fassaden, die Arkaden des Innenhofes und seine Kassettendecken in den Innenräumen charakterisieren den Bau in dieser Form als frühes Zeugnis deutscher Renaissance. Mehrere Umbauten folgten.

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Zwischen 1543 und 1552 war Kaiser Karl V. fünfmal im Hause zu Gast. Später befand sich hier der Gasthof „Schwarzer Ochsen“ (bis 1786). Der heutige Hauptbaukörper erstreckt sich parallel zur Donau und besitzt einen Giebel nach Westen sowie einen südwestlichen Eckerker.

 

Ab 1842 plante und koordinierte Major von Prittwitz vom Reichenauer Hof aus den Bau des nördlich der Donau gelegenen Teils der Bundesfestung Ulm, es war damals die sogenannte Kommandantur, später auch Gouvernment genannt.

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Textquellen: Textpassagen zum Teil aus Wikipedia